Wikifolio II. Quartal 2021

 

Dieser Artikel dient ausschließlich zur Erläuterung von Entscheidungen im investierbaren Wikifolio „FinancialSkeptic Value“. Der Artikel stellt keine Anlageempfehlung dar. Vor einem Investment in ein Unternehmen/eine Aktie sollte man stets seine eigenen Recherchen durchführen. Dieser Artikel kann falsche Annahmen und Kennzahlen enthalten.

  

Besprochene Inhalte

 

  • Aufnahme von Kaspi
  • Aufnahme von Davids’s Tea
  • Aufnahme von Amerigo Resources
  • Rekapitulieren des TUI-Trades

 

Aufnahme von Kaspi

 

Kaspi hat sich von einer kasachischen Bank zu einem Technologiekonzern mit internationalen Ambitionen entwickelt. Im vergangenen Jahrzehnt hat man sich vollständig vom klassischen Unternehmensbankgeschäft getrennt und das Unternehmen umgebaut. Herausgekommen ist ein Unternehmen, das in Kasachstan den Onlinehandel, den Konsumkreditmarkt und seit kurzem den Zahlungsabwicklungsmarkt dominiert. Durch die Bündelung immer weiterer Angebote in seine sogenannte „Super App“ sowie eine enge Partnerschaft mit der kasachischen Regierung ist somit ein gigantischer Netzwerkeffekt entstanden, der international lediglich durch das chinesische WeChat übertroffen wird.

Das Unternehmen wird aktuell mit einem KGV auf Basis der letzten zwölf Monate von knapp unter 30 bewertet. Dies erscheint für sich gesehen zunächst einmal nicht günstig. Berücksichtigt man jedoch das enorme Wachstum in nahezu sämtlichen Metriken ändert sich die Sichtweise relativ schnell (siehe entsprechende Q1-Metriken). 

 

 

Die interessanteste Metrik ist aus meiner Sicht die „täglich aktiven Nutzer (DAU)“, die sich im Vergleich zum Vorjahr nahezu verdoppelt haben. Dass dieser Wert deutlich stärker gestiegen ist als die „monatlich aktiven Nutzer (MAU)“ ist ebenfalls als überaus positiv zu sehen, da dies auf eine deutlich stärkere Nutzung durch bereits bestehende Kunden hinweist.

 

Dies ist umso wichtiger, da Kasachstan flächenmäßig zwar eines der größten Länder Asiens ist, mit einer Einwohnerzahl von ca. 18,9 Millionen Menschen jedoch ein eher kleiner Markt ist. Vergleicht man die monatlichen Nutzer mit der Einwohnerzahl, stellt man schnell fest, dass das Wachstumspotenzial in Kasachstan begrenzt ist und man mit den aktuellen Wachstumsraten schnell eine Sättigung im Markt erreicht. Umso wichtiger ist ein hohes Engagement bei bestehenden Kunden zu erreichen, mit neuen Dienstleistungen den eigenen Markt zu erweitern und neue geografische Märkte zu erschließen. Dies ist sicherlich eines der größten Risiken, die der Markt gerade im Zusammenhang mit Kaspi sieht. 

 

Während die Zahlen für das Nutzerengagement sehr vielversprechend sind und man zuletzt mit der Erweiterung des Leistungsangebots in Form einer Reisen-Buchungsplattform bewiesen hat, dass man in der Lage ist neue Dienstleistungen erfolgreich zu platzieren, bleibt Kaspi noch den Beweis schuldig, dass man in der Lage ist erfolgreich ins Ausland zu expandieren. Hier gibt es zwar mit der Übernahme eines Aserbaidschanischen Unternehmens mit drei führenden Marktplätzen (kontrolliert vom Kaspi CEO Lomtadze) im Jahr 2019 bereits erste Ansätze, dieses Geschäft läuft jedoch bisher parallel zu den Aktivitäten in Kasachstan. Entscheidend wird die erfolgreiche Ausweitung der Super-App-Verfügbarkeit in weiteren Ländern sein. Hier fasst das Unternehmen nach Aussagen des Managements unter anderem Georgien, Kirgisistan, Tadschikistan, Turkmenistan, Usbekistan und sogar die Ukraine ins Auge. Da es sich bei der Super-App jedoch bereits um ein etabliertes Produkt mit fertig entwickelter Infrastruktur handelt, ist eine geografische Ausweitung ohne großen Kapitalaufwand möglich.

 

Obwohl die Marktkapitalisierung von Kaspi bei ca. 20% des kasachischen Bruttoinlandsprodukts liegt, sehe ich Kaspi erst am Anfang seiner Wachstumsgeschichte. Natürlich gibt es sowohl bei der Marktdurchdringung in Kasachstan als auch bei der internationalen Expansion Risiken bei der operativen Umsetzung. Diese Risiken schätze ich jedoch in Bezug auf die Marktdurchdringung in Kasachstan als eher gering an. Hier kann das Unternehmen auf einen unfassbar großen Netzwerkeffekt setzen und hat schon mehrfach bewiesen, dass es dies für erfolgreiche Produkteinführungen zu nutzen wissen. Die internationale Expansion ist sicherlich mit größeren Risiken verbunden, beim aktuellen Aktienkurs sind allerdings auch keine fantastischen Expansionserwartungen eingepreist. Ich sehe Kaspi als sehr asymmetrische Gelegenheit und habe daher im zweiten Quartal eine Position im Wikifolio aufgebaut.

 

Weitergehende Infos auf Englisch findet ihr hier:

 

Investor Relations Website von Kaspi

 

Interview (EN) mit CEO Mikheil Lomtadze 

 

Fantastischer Beitrag von Alexander Eliasson

 

 

 

Aufnahme von David’s Tea und Verkauf der Rovio-Position

 

Nach wie vor halte ich Rovio für unterbewertet und glaube, dass das Unternehmen ein großes Potenzial hat. Ich habe mich jedoch trotzdem dazu entschieden die Position in Rovio aufzulösen, da ich momentan größere Chancen bei anderen Unternehmen sehe.

 

Zu diesen Unternehmen gehört David’s Tea in das wir zum Ende des Quartals eine Position aufgebaut haben. David’s Tea ist ein kanadischer Händler für hochwertige Teeprodukte der sich inmitten einer interessanten Transformation befindet. Das Unternehmen hat in der Vergangenheit stark auf den physischen Handel gesetzt und zu Beginn des letzten Jahres noch über 230 eigene Läden betrieben. Das Geschäftsmodell des Unternehmens war bereits vor Corona kein sehr erfolgreiches (letzter Jahresgewinn im Geschäftsjahr 2014), die Pandemie hat das Unternehmen jedoch dazu gezwungen sein Geschäftsmodell vollständig zu überdenken. In der Folge hat das Unternehmen bereits im März 2020 die Entscheidung getroffen einen Restrukturierungsprozess einzuleiten. Dieser beinhaltet die Schließung des überwiegenden Teils der eigenen Läden, hierunter sämtliche 42 US-amerikanische Läden. Übrig geblieben sind lediglich 18 kanadische Läden die sich in diversen Einkaufszentren befinden. Das Unternehmen setzt zukünftig voll auf den Onlinehandel.

     

Am 11.06. haben Gläubiger des Unternehmens einen Restrukturierungsplan genehmigt, der mittlerweile auch von allen nötigen Stellen bestätigt wurde und es David’s Tea ermöglicht die aus den Ladenschließungen resultierenden Verbindlichkeiten (im Wesentlichen Mietverbindlichkeiten) gegen die Zahlung einer Summe von 18 Millionen CAD zu eliminieren. Damit verschwinden ca. 100 Millionen CAD an Verbindlichkeiten aus der Bilanz. Somit ist das Unternehmen komplett schuldenfrei und weist darüber hinaus noch eine Cashposition von ca. 13 Millionen CAD auf (zuletzt 31 Millionen CAD). 

 

Ob das Unternehmen mit der neuen Strategie nicht nur nachhaltig profitabel ist, sondern auch Umsätze und Gewinne steigern kann bleibt natürlich noch abzuwarten. Mit einer umgerechneten Marktkapitalisierung (zum Zeitpunkt der Aufnahme ins Wikifolio) von ca. 176 Millionen CAD und einem Umsatz von ca. 113 Millionen CAD in den zuletzt reporteten 12 Monaten ist das Unternehmen mit einem Kurs-/ Umsatzverhältnis von knapp 1,6 (Verhältnis zum operativen Gewinn von 25) und einem starken Wachstum im Onlinegeschäft sicherlich nicht sehr ambitioniert bewertet. 

 

Bei der aktuellen Bewertung halte ich das Investment für sehr asymmetrisch. Das Management hat nun ein Unternehmen das verlustfrei arbeitet, aufgrund der Ladenschließungen deutlich flexibler agieren kann und somit großes Potenzial für die Ausweitung der eigenen Geschäftstätigkeit bietet. Hierunter fällt z. Bsp. die Möglichkeit einen großen US-Großhändler als Kunden zu gewinnen, in Märkte außerhalb Nordamerikas zu expandieren und das eigene Produktportfolio zu erweitern. Für mich hat das Management mit dem Start eines Abomodells (Teebox) Ende vergangenen Jahres bereits gezeigt, dass es gewillt ist neue Wege zu gehen und die neuen Möglichkeiten als direct to consumer Onlineunternehmen zu nutzen. 

 

Das Risiko bei David’s Tea sehe ich hauptsächlich darin, dass das Wachstum im vergangenen Jahr nahezu ausschließlich durch Corona getrieben gewesen sein könnte und man nicht in der Lage ist Online weiter zu wachsen oder sogar negatives Wachstum aufweist. Mit einem Cashbestand von ca. 13 Millionen CAD stehen dem Unternehmen allerdings auch bedeutende Mittel zur Verfügung um auf Kundenfang zu gehen.

 

Weitergehende Infos auf Englisch findet ihr hier:

 

Investor Relations Website von David’s Tea

 

Instagramseite von David’s Tea (für einen Eindruck der Präsentation des Unternehmens und für Kundenfeedback)

 

 

 

Aufnahme von Amerigo Resources

 

Amerigo Resources ist ein kanadischer Kupferproduzent. Operativ tätig ist das Unternehmen allerdings in Chile wo es Abraum der El Teniente-Mine verarbeitet die von dem staatlichen chilenischen Minenunternehmen Codelco betrieben wird. Das Unternehmen besitzt also keine eigene Kupfermine. 

 

Wie bei jedem Rohstoffproduzenten ist ein großer Teil der Investmentthese, dass der entsprechende Rohstoffpreis (in diesem Fall der Kupferpreis) über einen gewissen Zeitraum einen höheren Wert hat oder hohe Preise länger andauern als dies der Markt aktuell einschätzt. Während der Kupferpreis im Zuge des Reflationstrends wie viele andere Rohstoffe neue Höhen erreicht hat, schätze ich die Wahrscheinlichkeit für dauerhaft hohe oder sogar weiter steigende Preise deutlich höher ein als z. Bsp. bei Eisenerz oder Bauholz. Im Zuge der nahezu weltweit (zumindest besteht hier Konsens zwischen sämtlichen westlichen Ländern) angestrebten Wende hin zu regenerativen Energien und der Elektromobilität, steht es für mich außer Frage, dass der Bedarf an Kupfer in den kommenden Jahren stetig zunimmt. Die Erhöhung der Kupferproduktion ist jedoch nur schwer und nur unter immer höheren Kosten möglich. Dies liegt vereinfacht gesagt im Wesentlichen daran, dass das mit geringem Aufwand abbaubare Kupfer bereits in den vergangenen Jahrzehnten abgebaut wurde. Wer hierzu einen sehr ausführlichen Kommentar lesen möchte, dem empfehle ich den unten angefügten Link von Goehring & Rozencwajg. Neben den technischen Gegebenheiten gehe ich davon aus, dass auch strengere Umweltauflagen und Bestrebungen von „Bergbauländern“ wie Chile und Peru die Steuerlast für Minen stark zu erhöhen, dazu führen werden, dass das Kupferangebot nicht mit der steigenden Nachfrage Schritt halten kann.

 

Amerigo ist ein sehr interessantes Unternehmen um von den erwarteten Preisanstiegen zu profitieren. Das Unternehmen weist aufgrund der Natur seiner Tätigkeit nicht nur deutlich niedrigere Produktionsrisiken auf als börsengelistete Kupferminen, sondern besitzt auch eine sehr attraktive Bewertung. 

 

Zum Ende des zweiten Quartals hatte das Unternehmen einen Netto-Cashbestand von 18 MUSD (53 MUSD Barmittel und 35 MUSD Bankverbindlichkeiten). Die Marktkapitalisierung liegt aktuell bei ca. 165 MUSD und der Enterprise Value somit bei ca. 147 MUSD. Im ersten Quartal wurde bei niedrigeren Kupferpreisen ein Free-Cash-Flow von ca. 20 MUSD erzielt. Geht man davon aus, dass der Kupferpreis mittelfristig im Bereich des Wertes des ersten Quartals liegt und man zusätzliche jährliche Instandhaltungsinvestitionen von 10 MUSD berücksichtigt, so kommt man auf einen jährlichen Free-Cash-Flow von 70 MUSD und zu einer aktuellen Bewertung am Kapitalmarkt die nur knapp über dem Doppelten dieses jährlichen Free-Cash-Flows liegen würde.       

 

Da ich, wie bereits erwähnt, mittelfristig an weiter steigende Kupferpreise glaube, freue ich mich das Unternehmen zu dieser Bewertung im Wikifolio zu haben. Ein möglicher zeitnaher Katalysator für höhere Kurse könnte die Wiederaufnahme einer (hoffentlich hohen) Dividende sein, welche vom Unternehmen bereits in Aussicht gestellt wurde. Die Bankverbindlichkeiten wurden erst zum Ende des zweiten Quartals langfristig refinanziert, sodass hier eine große Planungssicherheit besteht und die vorhandenen Barmittel somit zeitnahe Dividendenzahlungen ermöglichen würden.

 

Das Risiko in diesem Investment besteht aus meiner Sicht im Wesentlichen in der Abhängigkeit von den Entwicklungen des Kupferpreises.   

Weitergehende Infos auf Englisch findet ihr hier:

 

Investor Relations Website von Amerigo Resources

 

Kommentar zu Kupfer von Goehring & Rozencwajg

 

 

 

TUI Put-Option

 

Die TUI Put-Option ist im zweiten Quartal wertlos verfallen. Frei nach Howard Marks: Zu früh sein ist nicht vom Falsch-liegen unterscheidbar. In diesem Sinne muss ich leider eingestehen, dass ich falsch lag obwohl die These nach wie vor intakt ist. Mit Optionsscheinen reicht dies leider jedoch nicht aus, sondern man muss leider auch Recht bei der zeitlichen Komponente behalten. TUI an sich ist für mich nach wie vor ein absoluter Katastrophenfall mit einer desolaten Bilanz und zwar vollkommen losgelöst davon wie sich die aktuelle Coronalage und damit einhergehende Reiserestriktionen entwickeln.  

  

    

Wikifolio

 

Ich freue mich, dass mein Wikifolio FinancialSkeptic Value den Status „investierbar“ erhalten hat und durch ein handelbares Zertifikat abgebildet wird. Interessierte können sich über den obigen Link auf Wikifolio.com informieren.

 

 

Disclaimer

 

Personen, die mit dem Gedanken spielen in die hier besprochenen Unternehmen oder Finanzinstrumente zu investieren, sollten ihre eigene Recherche durchführen und ihrer Investmententscheidung ihre eigenen Annahmen zu Grunde legen. Dieser Artikel sollte in keiner Weise (so wie alle auf dieser Website vorgestellten Artikel) als Anlageempfehlung verstanden werden. 

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