Wikifolio Monat Dezember

 

Dieser Artikel dient ausschließlich zur Erläuterung von Entscheidungen im Wikifolio „FinancialSkeptic Value“. Der Artikel stellt keine Anlageempfehlung dar. Vor einem Investment in ein Unternehmen/eine Aktie sollte man stets seine eigenen Recherchen durchführen. Dieser Artikel kann falsche Annahmen und Kennzahlen enthalten.

  

Besprochene Inhalte

 

  • Aufnahme von einer Put-Option auf die TUI AG ins Wikifolio

 

TUI AG

 

Im deutschsprachigen Raum ist die TUI AG wohl jedem ein Begriff und ihr Geschäftsmodell nicht weiter erklärungsbedürftig. Ebenso wenig überraschend dürfte es sein, dass ein Reiseveranstalter in der aktuellen Pandemie in Schieflage gerät. Insbesondere aus dem Kreis der deutschen Steuerzahler dürfte es dann vielleicht doch schon einige Personen überraschen, dass der Staat bei einem angeschlagenen Reisekonzern mit mittlerweile drei Hilfspaketen die Insolvenz verhindert. An dieser Stelle sei daran erinnert, dass Flugzeuge, Kreuzfahrtschiffe und gut ausgebildete Arbeitskräfte bei einer Insolvenz nicht einfach spurlos verschwinden. Jedenfalls wäre die Unterstützung einer TUI AG in der Insolvenz für den deutschen Steuerzahler wohl das deutlich vernünftigere Szenario gewesen. Bisher scheint jedoch, zumindest sagt dies der Aktienkurs, unter Anlegern die Meinung vorzuherrschen, dass die TUI AG durch die Hilfen nicht nur einigermaßen verträglich durch die Pandemie kommt, sondern auch, dass die Unterstützung selbst keine großen Nachteile für die Aktionäre mit sich bringt. 

 

Ich glaube, dass diese bisherige Einschätzung nur wenig mit der Realität zu tun hat und setze daher seit Dezember mit einer Put-Option auf die Aktie der TUI AG, auf fallende Kurse. Dies ist leider eine sehr teure Variante gewesen um von fallenden Kursen zu profitieren, jedoch die einzige über Wikifolio ausführbare Strategie. Bedacht werden sollte, dass es sich bei dieser Position im Wesentlichen um eine Absicherungsposition gegenüber den im Allgemeinen ziemlich stark überbewerteten weltweiten Aktienmärkten handelt (siehe Handelsidee des Wikifolios).   

 

TUI bezeichnet das dritte Hilfspaket, in einer Präsentation zum Jahresergebnis (S. 4), selbst als Brücke zu einem normalisierten Markt. Die Hauptfrage ist hier also, wann der normalisierte Markt wieder zu erwarten ist. Ich denke man muss kein großer Prophet sein, um zu der Schlussfolgerung zu gelangen, dass das Sommergeschäft 2021 noch nicht einen normalen Markt repräsentieren wird. Da die Sommermonate in einem normalen Geschäftsjahr die cash-flow-stärksten Monate sind, kommt einem schnell folgende Frage in den Sinn: Wie hoch ist der negative Cash-Flow der TUI AG während der Pandemie und reicht das dritte Hilfspaket überhaupt aus um die Pandemie zu überbrücken?

 

In ihrer Präsentation zu den Zahlen des Geschäftsjahres 2020 geht TUI auf Seite 20 davon aus, dass ihnen nach der Durchführung des dritten Hilfspakets ein proforma Cashbestand zum 30. November 2020 in Höhe von 2,5 Mrd. € zur Verfügung steht. Auf der gleichen Seite gibt TUI an, dass von dem Beginn der Corona-Krise Anfang März bis Ende November 2020 der Cash-Flow mit 3,4 Mrd. € negativ war. Dies war also genau der Zeitraum über das letztjährige Sommergeschäft. Gehen wir einmal davon aus, dass die Impfungen gut vorangehen und wir auch sonst keine besonders bösen Überraschungen erleben (Stichwort: Virus-Mutationen). In diesem Szenario darf man wohl davon ausgehen, dass das Geschäft in diesem Sommer deutlich besser verlaufen dürfte als im letzten Jahr, wenn auch auf niedrigerem Niveau als in einem pandemiefreien Jahr. Erschwerend kommt im Vergleich zum Vorjahr jedoch hinzu, dass bereits der Jahresstart anders als im vergangenen Jahr durch die Pandemie und europaweite Lockdowns bestimmt wird. Bedenkt man dann noch, dass der von TUI genannte Cash-Flow sowohl durch Entschädigungszahlungen von Boeing als auch durch die Einbringung von Hapag-Lloyd Cruises in das Joint Venture TUI Cruises positiv beeinflusst wurde, so hegen sich sicherlich nicht nur bei mir Zweifel, ob mit dem dritten Hilfspaket tatsächlich eine Brücke hin zu einem normalen Geschäft gebaut wurde oder vielleicht später festgestellt wird, dass diese Brücke nur zum Teil fertiggestellt wurde.

 

Aber was wäre, wenn TUI kein weiteres Geld benötigt, um durch die Krise zu kommen? Dann wäre TUI doch sicherlich ein gutes Investment, oder nicht? Die Erhöhung des Eigenkapitals durch das dritte Hilfspaket liegt laut TUI bei 0,8 Mrd. € (S. 8 der Präsentation zum Hilfspaket). Zum 30. September 2020 wies TUI ein Eigenkapital in Höhe von 218 Mio. € aus. Tut man wie bei dem Cash-Zufluss so, als wäre das Hilfspaket bereits zu Ende November 2020 in Kraft gewesen und geht davon aus, dass das Eigenkapital zum 30. November 2020 bei 0 € gelegen hat, so hätte TUI zu diesem Zeitpunkt ein Eigenkapital in Höhe von 0,8 Mrd. € vorzuweisen. Das letzte Geschäftsjahr hat TUI mit einem Verlust in Höhe von 3,1 Mrd. € abgeschlossen und dass TUI im Jahr 2021 Gewinne macht ist, wie bereits zuvor erwähnt, sehr unwahrscheinlich. TUI dürfte in dem Szenario ohne ein drittes Hilfspaket daher wohl in den kommenden Monaten ein negatives Eigenkapital aufweisen. Die Schuldenlast ist dabei seit Beginn der Corona-Krise deutlich angestiegen. 

 

Hier werden einige sicherlich dagegenhalten, dass die Corona-Krise lediglich ein temporäres Event ist und die Bevölkerung sich danach sehnt in den Urlaub zu fahren. Das Geld dürfte dann also förmlich in die Firma strömen und der Schuldenstand sich so schnell reduzieren lassen. Dem würde ich entgegenhalten, dass TUI in den Vorjahren jeweils nur in zwei Quartalen des Jahres einen positiven Free-Cash-Flow ausgewiesen hat. Besonders unglücklich ist dabei, dass diese Quartale immer die gleichen waren, nämlich das mit März und mit Juni endende Quartal. In allen anderen Quartalen hat TUI bereits in den vergangenen Jahren einen negativen Free-Cash-Flow ausgewiesen. Jetzt denkt man natürlich gleich wieder an die Brücke. Aber diesen Gedanken sollte man besser beiseitelassen, wenn man Aktionär der TUI AG ist. Der jährliche Free-Cash-Flow lag übrigens in den Geschäftsjahren 2018 und 2019 jeweils unter 200 Mio. €.

 

Als letzter Gedanke bleibt zu erwähnen, dass es kein gutes Zeichen ist wenn Eigenkapitalgeber lediglich zu einem Bruchteil des aktuellen Kurses (zu 1,07 € je Aktie) bereit sind zu investieren. TUI erhält nach Abzug von Gebühren übrigens 1,00 € je Aktie.  

 

PS: Bitte nicht den heutigen (08.01.21) Kursverlust fehlinterpretieren, hierbei handelt es sich um einen Abschlag der mit der Ausgabe der Bezugsrechte (aufgrund der Kapitalerhöhung) in Zusammenhang steht. 

 

Ausblick

 

Ich freue mich über jede Vormerkung für mein Wikifolio FinancialSkeptic Value. Es ist geplant, dass das Wikifolio zukünftig durch ein handelbares Zertifikat abgebildet wird. Der Emissionsprozess hierfür ist bereits in vollem Gange.

 

 

Disclaimer

 

Personen, die mit dem Gedanken spielen in die hier besprochenen Unternehmen zu investieren, sollten ihre eigene Recherche durchführen und ihrer Investmententscheidung ihre eigenen Annahmen zu Grunde legen. Dieser Artikel sollte in keiner Weise (so wie alle auf dieser Website vorgestellten Artikel) als Anlageempfehlung verstanden werden. 

 

 

 

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