UMT AG – Originalbeitrag vom 08.09.2020

Bitte beachte, dass sich meine Einschätzung zur UMT AG seit dem Verfassen dieses Artikels deutlich geändert hat. Aus Gründen der Nachvollziehbarkeit lasse ich den folgenden Artikel jedoch unverändert stehen. Die Gründe für meine Meinungsänderung habe ich unter anderem in diesem Beitrag dargelegt. Die ursprüngliche Überschrift dieses Artikel lautete: "UMT AG – Zahl: wir gewinnen, Kopf: wir gewinnen deutlich mehr". 

 

Dieser Artikel dient ausschließlich zur Erläuterung, weshalb die UMT United Mobility Technology AG (UMT AG) in das Wikifolio „FinancialSkeptic Value“ aufgenommen wurde. Der Artikel stellt keine Anlageempfehlung dar! Vor einem Investment in ein Unternehmen/eine Aktie sollte man stets seine eigenen Recherchen durchführen. Dieser Artikel kann falsche Annahmen und Kennzahlen enthalten.

 

„Die UMT United Mobility Technology AG ist eine börsennotierte Technologie- und Finanzdienstleistungsgesellschaft mit Sitz in München. Das Unternehmen bietet seinen Kunden Dienstleistungen und Lösungen für mobile und elektronische Zahlungssysteme, basierend auf der eigenen Mobile Payment und Loyalty Plattform. Hierbei bestehen seit 2014 Kooperationsverträge mit dem Bonusprogramm Payback. Die auf dieser Basis 2017 von UMT entwickelte Bezahlmethode Payback Pay wird unter anderem bei Rewe, Penny, Real und DM akzeptiert.“ (Wikipedia-Artikel)

 

Zusammenfassung

 

  • Fintech-Unternehmen, das trotz seiner beachtlichen Erfolge bisher noch keine große Aufmerksamkeit genießt.
  • Mit der Zahlungsabwicklungslösung, auf der Payback Pay basiert, besitzt UMT ein erfolgreiches und vielfach ausgezeichnetes Produkt.
  • Das Verlustrisiko sollte durch bereits bekannte Kennzahlen für 2020 stark begrenzt sein.
  • Die Partnerschaft mit Utrust bietet zukünftig enormes Wachstumspotenzial.

 

Das Hauptprodukt der Firma ist die Mobile Payment Lösung für Payback Pay. Diese hat die UMT AG entwickelt und zunächst auch betrieben. Im Dezember 2018 hat die UMT AG die Kooperation mit Payback Pay in einer Lizenzvereinbarung neu definiert und seitdem betreibt Payback das System selbst. Die Details des Lizenzvertrages sind nicht öffentlich.

 

Die UMT AG ist durch die Lizenzvereinbarung in der Lage, ihre Mobile Payment-Lösung auch anderen potenziellen Kunden anzubieten. Bisher gab es hierzu jedoch keine großen Erfolgsmeldungen. Die von der UMT AG entwickelte, oft erwähnte und beworbene App „LOYAL“ fällt im Google Play Store lediglich in die Kategorie „500+ Downloads“. Dies lässt darauf schließen, dass auch mit der LOYAL-App keine nennenswerten Umsätze erzielt werden.

 

Wieso halte ich dann die UMT AG trotzdem für ein lohnendes Investment? Die UMT AG hat am 06. August 2020 in einer Pressemitteilung einen vorläufigen Konzernüberschuss für das Geschäftsjahr 2019 in Höhe von knapp 1,1 Mio. € gemeldet und in der gleichen Pressemeldung eine „Steigerung von Umsatz und Ergebnis im dreistelligen Prozentbereich“ für das Jahr 2020 angekündigt.

 

Meine Investmentthese basiert zum einen auf der Vermutung, dass die UMT AG über die Lizenzvereinbarung einen Anteil an den Transaktionsgebühren des prozessierten Payment-Volumens erhält und zum anderen darauf, dass die bereits angekündigte Umsatz- und Gewinnsteigerung im Geschäftsjahr 2020 von mindestens 100% auf ein starkes Wachstum des Paymentvolumens bei Payback Pay zurückgeht. Dieses sollte insbesondere durch die Corona-Pandemie stark beschleunigt worden sein.

 

Da, wie bereits zu Beginn erwähnt wurde, der Vertrag zwischen der UMT AG und Payback Pay der Verschwiegenheit unterliegt, ist es natürlich möglich, dass die Umsatzsteigerung aus einer anderen Quelle kommt und es sich hierbei um deutlich margenschwächeren Umsatz handelt. Jedoch schrieb bereits die Investorenlegende Peter Lynch in seinem Buch „One Up on Wall Street“: „Denken Sie daran, die Dinge sind nie klar, bevor es zu spät ist.“ Sollte ich mit meiner These gänzlich falsch liegen, so erhält man mit dem Kauf von UMT-Aktien immerhin Anteile an einem Unternehmen, welches dieses Jahr mindestens 2,2 Mio. € Ergebnis bei einem Umsatzwachstum von mindestens 100% erwirtschaften wird, zu einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von ca. 10.

 

Hinzu kommt, dass die seit Frühjahr 2018 bestehende Partnerschaft zwischen der UMT AG und Utrust, durch das großflächige Ausrollen von Utrust‘s Produkt, sehr vielversprechend aussieht. Dies könnte der nächste große Wachstumstreiber für die UMT AG werden. Utrust ermöglicht Onlinehändlern die Akzeptanz von Kryptowährungen als Zahlungsmittel. Die Plattform dahinter basiert, ähnlich wie bei Payback Pay, auf UMT-Technologie. Anders als bei der Vereinbarung mit Payback Pay ist es öffentlich, dass die UMT AG von Utrust eine Beteiligung an deren Transaktionsgebühren erhält. Diese beläuft sich für die Händler auf 1% des prozessierten Zahlungsvolumens. Wie hoch wiederum der Anteil der UMT AG hieran ist, ist nicht öffentlich.

 

Mittel- bis langfristige Marktaussichten

 

Leider gibt es zu Payback Pay keine detaillierten, öffentlichen Statistiken. So ist auf der Daten & Fakten Website von Payback zu Payback Pay lediglich zu lesen, dass es mehrere 100.000 Nutzer gibt und im Durchschnitt jeder Nutzer vier Bezahlvorgänge abwickelt. Es scheint so, als würde Payback Pay hier eine deutlich niedrigere Nutzerzahl angeben, als es in Wirklichkeit tatsächlich der Fall ist. Eine durch die Bundesbank in Auftrag gegebene Umfrage kam nämlich zu dem Ergebnis, dass 41% der Befragten Payback Pay kennen und 12% der Befragten es aktiv nutzen. Ich schätze aufgrund der Umfrageergebnisse die tatsächliche Nutzerzahl zum Zeitpunkt der Umfrage auf ca. 6 Mio. Personen (12% der 20- bis 80-jährigen Bevölkerung in Deutschland). Hierbei handelt es sich um Daten aus dem Zeitraum von April bis Juni 2019, sodass sich davon ausgehen lässt, dass die heutige Nutzerzahl über diesem Wert liegt. Da es leider keine aktuelleren Zahlen gibt, lässt sich keine Aussage über das aktuelle Wachstum von Payback Pay treffen. Die Corona-Pandemie dürfte jedoch das Wachstum von Mobile Payment Anbietern deutlich beschleunigt haben. In meinem lokalen Penny-Markt ist mir jedenfalls an der Kasse ein Schild aufgefallen, auf dem darauf hingewiesen wurde, dass Zahlungen mit Karte oder Payback Pay bevorzugt werden.

 

Utrust hat im Mai 2020 ein Plugin für die Onlineshop-Software Magento (Adobe) veröffentlicht und erhält somit potenziellen Zugang zu einer Vielzahl von prominenten Onlineshops. Unter anderem setzen die Onlineshops von Nespresso, The North Face und Nike auf die Magento-Software von Adobe. Im Juni folgte dann ein Plugin für Woocommerce (die Onlineshop-Lösung von WordPress). Über 30% aller Onlineshops weltweit basieren auf Woocommerce. Obwohl Utrust natürlich nicht die einzige Lösung zur Akzeptanz von Kryptowährungen im Onlinehandel darstellt, ist das zukünftige Potenzial riesig.      

 

Laut Statista haben bereits 4% aller Europäer im Jahr 2016 täglich einen Kauf mit Kryptowährungen durchgeführt. Diese Statistik hat mich persönlich überrascht, zeigt aber, dass es bereits länger einen Markt für das Bezahlen mit Kryptowährungen und damit für die Lösung von Utrust gibt. Eine Umfrage in Deutschland aus dem Jahr 2017 ergab, dass 11,4% der Befragten sich vorstellen konnten zukünftig mit einer Kryptowährung zu zahlen und 1,7% gaben an, dass sie dies bereits taten. Da die Lösung von Utrust eine feste Transaktionsgebühr in Höhe von 1% vorsieht, was deutlich unter alternativen Onlinebezahllösungen wie Paypal liegt, und Händler ihre Einnahmen durch die Utrust-Lösung wahlweise auch sofort in ihrer Lokalwährung (US$, GBP und EURO) erhalten können, ist von einem sehr starken Wachstum (ausgehend von einem sehr niedrigen Niveau) auszugehen.    

 

 

Bewertung und Ausblick

 

Leider ist das letzte offizielle Zahlenwerk der UMT AG bereits älteren Datums (1. HJ 2019) und damit, zumindest zur Einschätzung der aktuellen Profitabilität, relativ aussagearm. Immerhin hat die Gesellschaft jedoch mit ihrer Pressemeldung vom 06.08.2020 vorläufige Zahlen für das Gesamtjahr 2020 veröffentlicht. Nach diesen Zahlen hat die UMT AG im Geschäftsjahr 2019 ein Ergebnis von ca. 1,1 Mio. € bei einer Gesamtleistung von ca. 13,5 Mio. € erzielt. Zum ersten Halbjahr 2019 hatte die Gesellschaft keinerlei Verbindlichkeiten bei Kreditinstituten und ein Bankguthaben inklusive Wertpapieren von ca. 1,1 Mio. €. Aufgrund des Inhalts der Pressemitteilung ist davon auszugehen, dass die Gesellschaft auch zum Jahresende 2019 keine Bankverbindlichkeiten und einen ähnlichen Kassenbestand hatte.

 

Am 04.09.2020 ist die Aktie mit einer Notierung von 9,30 € aus dem Tradegate-Handel gegangen. Bei einer Aktienanzahl von 2.353.356 bedeutet dies, dass das Unternehmen zurzeit an der Börse mit ca. 21,9 Mio. € bewertet wird. Wie bereits zu Beginn des Artikels erwähnt, errechnet sich hieraus auf Grundlage der in der Pressemitteilung genannten Untergrenze des Gewinns von ca. 2,2 Mio. € (100% über dem Gewinn 2019) ein Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis des 2020er Ergebnisses von höchstens 10. Dies stellt an sich schon eine sehr günstige Bewertung dar, insbesondere wenn man bedenkt, dass das Unternehmen in einem Jahr ca. 100% Wachstum aufwies.

 

Betrachtet man jedoch die Zahlen der letzten Geschäftsjahre, so stellt man fest, dass sich die Rohertragsmarge der UMT AG von 48% im Geschäftsjahr 2017 über 63% im Geschäftsjahr 2018 auf 67% im Geschäftsjahr 2019 verbessert hat. In den vergangenen Jahren hat die UMT AG hohe Eigenleistungen aktiviert (2017: ca. 2,5 Mio. € / 2018: ca. 2,4 Mio. €). Da die Differenz zwischen der in der Pressemitteilung gemeldeten Gesamtleistung zu den gemeldeten Umsatzerlösen lediglich bei 811 T€ liegt und im ersten Halbjahr 2019 bereits 750 T€ Eigenleistungen aktiviert wurden, sowie ca. 30 T€ sonstige Erträge anfielen, können sich die aktivierten Eigenleistungen im Geschäftsjahr 2019 lediglich auf maximal ca. 780 T€ belaufen. Da die aktivierten Eigenleistungen in den vergangenen Jahren ggf. einen stark positiven Effekt auf die Rohmargen ausgeübt haben, ist es umso erstaunlicher, dass die UMT AG diese Margenverbesserungen zeigt. Es passt jedoch zu der Investmentthese, dass zumindest ein großer Teil des Umsatzanstieges aus Lizenzgebühren stammt und somit ein starker operativer Hebel existiert.

 

Aufgrund dieses operativen Hebels sollte der Gewinn deutlich überproportional im Verhältnis zum Umsatz steigen. Ein weiteres Indiz, welches dies vermuten lässt, sind die bereits zuvor erwähnten aktivierten Eigenleistungen. Die Abschreibungen insgesamt, auf Grundlage der in der Pressemeldung für 2019 genannten vorläufigen Zahlen, können höchstens bei ca. 3,4 Mio. € gelegen haben. Da die im Geschäftsjahr 2019 aktivierten Eigenleistungen deutlich unter dem Vorjahr gelegen haben, lässt sich davon ausgehen, dass der Höchstwert an Abschreibungen bereits im Geschäftsjahr 2019 erreicht wurde und im Geschäftsjahr 2020 die Abschreibungen sinken werden, was den Trend des überproportional wachsenden Ergebnisses ebenfalls verstärken sollte.

 

Aufgrund der getätigten Annahmen halte ich in meinem Basisszenario einen Gewinn im Geschäftsjahr 2020 von mindestens 5,5 Mio. € für realistisch. Multipliziert man dies mit dem auf Basis des bekannten, erwarteten Mindestgewinns zugestandenen KGV von 10, so erhält man eine Marktkapitalisierung von 55 Mio. €, was einem Aktienpreis von ca. 23,37 € entsprechen würde. Bei stagnierendem Ergebnis dürfte im Geschäftsjahr 2021 der Gewinn allerdings leicht sinken, da bestehende Verlustvorträge dann bereits aufgebraucht wären. Allerdings ist auch bei der Realisierung eines solchen Ergebnisses in 2020 und dem damit einhergehenden Gewinnwachstum zu erwarten, dass der Markt der UMT AG ein deutlich höheres KGV zugesteht. In optimistischeren Szenarien, die sich aufgrund der bekannten Zahlen und getätigten Annahmen durchaus logisch modellieren lassen, wären sogar noch deutlich höhere Kurse denkbar.  

 

Selbst bei einem knappen Erreichen der Untergrenze der selbst gesteckten Ziele für 2020 ist die UMT AG mit einem KGV von 10 aufgrund des starken Wachstums deutlich unterbewertet. Lediglich durch eine vernünftige KGV-Ausweitung auf 15 müsste der Aktienkurs auf Grundlage der 2020er Zahlen bei ca. 14 € liegen. Die anstehenden Unternehmenszahlen (angekündigt für Ende September) dürften bereits ein Impulsgeber für höhere Aktienkurse sein.

 

Mit einer Sicherheitsmarge (Differenz aus aktueller und ermittelter fairer Bewertung auf Grundlage des Mindestgewinns 2020) von ca. 50% und großem Potenzial für positive Überraschungen bei den Unternehmenszahlen fühle ich mich sicher genug, um eine bedeutende Position für das Wikifolio aufzubauen. Hierbei dürfte es sich um eine „Zahl: wir gewinnen, Kopf: wir gewinnen deutlich mehr“-Situation handeln.

 

Disclaimer

 

Personen, die mit dem Gedanken spielen in das hier vorgestellte Unternehmen zu investieren, sollten ihre eigene Recherche durchführen und ihrer Investmententscheidung ihre eigenen Annahmen zu Grunde legen. Dieser Artikel sollte in keiner Weise (so wie alle auf dieser Website vorgestellten Artikel) als Anlageempfehlung verstanden werden. 

 

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Stefan (Freitag, 18 September 2020 14:51)

    Also ich bin über RaperCapital und Twitter auf deine Seite aufmerksam geworden, herzlichen Glückwunsch zu dem wirklich sehr guten Beitrag, bitte mehr davon. Hier kann man nur was lernen, zumal es wirklich im deutschsprachigen Bereich nicht so viele qualitativ wertvolle Value Blogs gibt. Ich würde mioch freuen, wenn du die Seite weiter ausbaust, eventuell Hintergründe zu deinem Vorgehen, Link Listen, Literatur usw. ...

    lg Stefan