Foot Locker - Mit großen Schritten durch die Corona-Krise

Dieser Artikel dient ausschließlich zur Erläuterung, weshalb Foot Locker in das Wikifolio „FinancialSkeptic Value“ aufgenommen wurde. Der Artikel stellt keine Anlageempfehlung dar! Vor einem Investment in ein Unternehmen/Aktie sollte man stets seine eigenen Recherchen durchführen. Dieser Artikel kann falsche Annahmen und Kennzahlen enthalten.

 

Foot Locker ist als Einzelhändler für Sportschuhe und Sportbekleidung tätig. Das Unternehmen vertreibt Sportschuhe, Bekleidung, Zubehör und Ausrüstung unter den Markennamen Foot Locker, Lady Foot Locker, Kids Foot Locker, Champs Sports, Eastbay, Footaction, Runners Point und Sidestep. Es verkauft auch diverse lizenzierte Artikel von Athleten und Sportteams. Darüber hinaus betreibt das Unternehmen diverse Websites wie z. Bsp. eastbay.com, final-score.com oder eastbayteamsales.com. Am 16. August 2020 betrieb Foot Locker 3.129 Einzelhandelsgeschäfte in 27 Ländern in Nordamerika, Europa, Asien, Australien und Neuseeland. Foot Locker, Inc. wurde 1879 gegründet und hat seinen Hauptsitz in New York, New York. Es ist die Nachfolgegesellschaft von Woolworth, der ehemals größten Kaufhauskette der Welt.

 

Zusammenfassung

  • starke Finanzposition
  • profitabel in der Krise
  • ungerechtfertigter Bewertungsabschlag im Vergleich zum Gesamtmarkt

 

 

Mittel- bis langfristige Marktaussichten

 

Der für Foot Locker wichtige Markt für Sportschuhe beläuft sich nach Zahlen von Statista weltweit auf einen Jahresumsatz (2020) von ca. 45,5 Mrd. €. Bis zum Jahr 2025 wird ein durchschnittliches jährliches Wachstum in Höhe von 6,2% prognostiziert, was einem Marktvolumen von ca. 61,6 Mrd. € im Jahr 2025 entsprechen würde. Der gesamte weltweite Schuhmarkt beläuft sich aktuell auf einen Jahresumsatz von ca. 89,0 Mrd. € und die Prognosen gehen von einem Anstieg auf 116,9 Mrd. € im Jahr 2024 aus (durchschnittliches jährliches Wachstum: 7,1%). Die Daten wurden sicherlich nicht um Covid-19 bedingte Auswirkungen korrigiert, jedoch zeigen sie, dass Foot Locker mit seinem Kerngeschäft in einem mittel- bis langfristig wachsenden Markt tätig ist.

 

Seit einigen Jahren wird der stationäre Einzelhandel aufgrund des steigenden Anteils des Onlinehandels mehr oder weniger tot gesagt. Der stationäre Schuhmarkt ist aus meiner Sicht aus zwei Gründen weniger stark als andere Einzelhändler durch die reine Onlinekonkurrenz „bedroht“:

  • Bei Schuhen kommt es im Vergleich zu z. Bsp. T-Shirts deutlich stärker auf den Tragekomfort an. Ebenso sind Toleranzen für die individuell passende Schuhgröße deutlich kleiner. Dieser Umstand wird dafür sorgen, dass auch weiterhin ein beachtlicher Teil der Konsumenten seinen Schuhkauf offline tätigen wird.
  • Die große Bedeutung der Passgenauigkeit und des Tragekomforts sorgen ebenfalls dafür, dass der Onlinehandel mit Schuhen ein relativ margenschwaches Geschäft ist. Dies gilt für den gesamten Bekleidungshandel aber insbesondere für den Onlinehandel mit Schuhen. Die aktuelle Retourenquote für Fashion in Deutschland liegt bei ca. 40%. Im Vergleich hierzu liegt die gleiche Quote für Medien und Bücher bei ca. 9% und die von Unterhaltungselektronik bei ca. 14%.                                              (Quelle: retourenforschung.de)                                                                     

Hinzu kommt, dass der Bearbeitungsaufwand für Retouren im Fashionsegment deutlich aufwendiger und somit teurer ist als bei anderen Produktkategorien.

 

Trotz der erwähnten Nachteile des Onlinehandels im Bereich Fashion und insbesondere dem Unterbereich Schuhe überlässt Foot Locker den Onlinebereich natürlich nicht der Konkurrenz. Dies ist gerade in der Corona-Krise, wo sich weniger Kunden in Geschäften einfinden oder die Ladengeschäfte je nach Region sogar geschlossen sind bzw. waren, ein wertvoller Verkaufskanal. Im gerade vergangenen zweiten Quartal hat Foot Locker einen Umsatzzuwachs in diesem Bereich von 173% gegenüber dem Vorjahresquartal gemeldet. Dies sorgte dafür, dass 33,2% des gesamten Umsatzvolumens im zweiten Quartal über den Onlinekanal abgewickelt wurden. Der Schuhhandel ist wohl aufgrund der beschriebenen Eigenheiten, wie nur wenige andere Bereiche des Handels, prädestiniert für eine Omnichannel-Strategie bei dem das Online- und Offline-Einkaufserlebnis eng miteinander verwoben werden. Dies hat Foot Locker früh erkannt und umgesetzt.*

 

Unternehmenszahlen

 

Auf Foot Locker wurde ich aufmerksam, da die letzten beiden Quartalsberichte (für das zweite Quartal noch kein 10-Q) zeigen, dass das Unternehmen bisher sehr gut durch die Corona-Krise kommt, obwohl es auch stark von den Ladenschließungen betroffen ist. Im ersten Quartal (aufgrund eines abweichenden Geschäftsjahres endete dieses zum 02.05.2020, d.h. es handelt sich um das Q1 2021) wurde zwar ein Verlust von 110 Mio. $ gemacht, im zweiten Quartal (endete zum 01.08.2020) ist man jedoch mit einem Gewinn von 45 Mio. $ (Vorsteuergewinn: 70 Mio. $) bereits wieder in die Gewinnzone zurückgekehrt.

 

Diese Zahl ist umso beeindruckender, wenn man berücksichtigt, dass Foot Locker im abgelaufenen Quartal 18 Mio. $ Aufwendungen resultierend aus den sozialen Unruhen in Nordamerika hatte: 14 Mio. $ durch Diebstähle und weitere 4 Mio. $ durch die Zerstörung von Ladeneinrichtungen und hiermit einhergehender notwendiger Reparaturen.  Weiterhin fielen Aufwendungen in Höhe von 16 Mio. $ im Zusammenhang mit der Abwicklung der Marke Runnerspoint an. Ohne diese einmaligen Aufwendungen hätte der Vorsteuergewinn somit bei 104 Mio. $ gelegen.  Ebenfalls beeindruckend ist das Umsatzwachstum von 1.176 Mio. $ im ersten Quartal auf 2.077 Mio. $ im zweiten Quartal 2020. Der erzielte Rohertrag weist zwar daraufhin, dass der Umsatz während der Corona-Krise durch hohe Rabatte „erkauft“ wird (Q2 2020 34,6% -> Q2 2021 25,9%). Dies ist jedoch zum einen nötig, um die Lager für neue Ware zu leeren und gibt zum anderen einen Hinweis darauf, wie flexibel und effizient die Organisation aufgestellt ist, wenn man mit diesen Rohmargen in der Lage ist, einen signifikanten Nachsteuergewinn zu erzielen. Die Vertriebsgemeinkosten (Sales, General & Admininistrative) lagen im abgelaufenen Quartal bei 387 Mio. $, im Vergleich zu 482 Mio. $ im Vorjahresquartal.

 

Bezüglich der Finanzlage des Unternehmens lässt sich festhalten, dass nach dem letztem Quartalsbericht lediglich 121 Mio. $ langfristige Schulden in der Bilanz zu Buche stehen. Demgegenüber steht ein Barmittelbestand zum gleichen Zeitpunkt von 1.373 Mio. $. Das Unternehmen verfügte also über eine Netto-Cash-Position in Höhe von 1.252 Mio. $. Die Marktkapitalisierung (ggf. inklusive verwässernder Optionen) liegt aktuell bei ca. 3.127 Mio. $ (29,75$ x 105,1 Mio. Aktien). Zieht man nun den Netto-Cash-Bestand hiervon ab, so erhält man den Enterprise Value von Foot Locker, der lediglich bei 1.875 Mio. $ liegt.

 

Bewertung

 

Setzt man den Gewinn der letzten vier Quartale ins Verhältnis zu der Marktkapitalisierung, so erhält man ein Kurs-/Gewinnverhältnis (KGV) von 16,1. Auch zu Zeiten, in denen sich das KGV des S&P 500 in der Nähe von 30 bewegt, ist dies nicht allzu günstig. Interessant wird es jedoch, wenn man die Summe der letzten vier Quartalsgewinne ins Verhältnis zu dem Enterprise Value setzt. Hier erhält man einen Wert von 9,7 (1.875/194). Dies würde bedeuten, dass Foot Locker alle 9,7 Jahre seinen heutigen Unternehmenswert an Gewinnen erwirtschaften würde. Ein Investor, der zum heutigen Tag und zur heutigen Marktkapitalisierung das gesamte Unternehmen kaufen würde, hätte seine Investition also nach 9,7 Jahren amortisiert. Durch die Nutzung des Enterprise Value haben wir nun ein KGV ex-cash berechnet (Der oben genannte Investor würde 3.127 Mio. $ für Foot Locker zahlen, sich jedoch kurz darauf 1.875 $ Mio. von seinen eben erworbenen Konten „zurückholen“).

 

Ausblick

 

Nun muss man jedoch bedenken, dass obwohl Foot Locker vergleichsweise sehr gut durch die Corona-Krise kommt, die letzten vier Quartale eben zwei Quartalsergebnisse beinhalten, die stark negativ durch die aktuelle Situation beeinflusst wurden. Im Geschäftsjahr 2020, das am 01. Februar 2020 endete, wurde ein Gewinn in Höhe von 491 Mio. $ erzielt. Die Ergebnisse der Jahre davor belaufen sich auf 541 Mio. $ (2019), 284 Mio. $ (2018), 664 Mio. $ (2017) und 541 Mio. $ (2016). Lässt man einmal völlig ein vorhandenes Wachstumspotenzial (Foot Locker konnte in den vergangenen Jahren seinen Umsatz um durchschnittlich 2% pro Jahr steigern) sowie eventuelle Kosteneinsparungspotenziale außer Acht und setzt für ein normalisiertes Jahresergebnis den Durchschnitt der letzten vier Geschäftsjahre an, würde sich bei dem aktuellen Aktienkurs ein Verhältnis von Enterprise Value zu diesem durchschnittlichen Jahresergebnis in Höhe von 3,7 (1875/504,2) ergeben.

 

Ich sehe aktuell keinen Grund, der dagegen spricht, dass Foot Locker kurz- bis mittelfristig diese Ergebnisse wieder erreicht. Geht man davon aus, dass Foot Locker innerhalb kurzer Zeit wieder in der Lage ist ein Jahresergebnis im Durchschnitt der letzten Jahre zu erwirtschaften, dann ist ein Multiplikator von 10 (ähnlich der aktuellen Bewertung auf Basis der letzten vier Quartalsergebnisse) sicherlich nicht zu optimistisch. Dies würde einem Enterprise Value in Höhe von 5.042 Mio. $ entsprechen. Fügt man die aktuelle netto Cash-Position hinzu, würde sich eine Marktkapitalisierung von 6.294 Mio. $ (5042+1252) ergeben. Teilt man diesen Wert durch die emittierten 105,1 Mio. Aktien, erhält man ein Kursziel von 59,88 $ (aktuell ca. 50,64 €).

 

Nach einem einfachen DCF-Modell unter der Annahme, dass der nachhaltige, zukünftige Free-Cash-Flow bei dem Durchschnitt der vergangenen fünf Geschäftsjahre liegt (472 Mill $) und man einen Abzinsungsfaktor von 10% heranzieht, ergibt sich ein Enterprise Value von 4.720 Mio. $. Hieraus errechnet sich analog zu der obigen Rechnung eine Marktkapitalisierung von 5.972 Mio. $ und damit ein Kursziel von 56,82 $ (aktuell ca. 48,05 €).

 

Natürlich kann man argumentieren, dass der Markt die Zukunft handelt und wir uns am Beginn einer Wirtschaftskrise befinden, die nicht mit der aktuellen Pandemie enden wird und daher die Annahmen zu Gewinn und Free-Cash-Flow deutlich zu positiv sind. Dem würde ich sogar zustimmen, jedoch entgegnen, dass der Markt für eine Vielzahl anderer Firmen gänzlich andere Erwartungen an die Zukunft hat und Foot Locker damit zurzeit im Vergleich stark unterbewertet ist.

 

Aufgrund der guten Finanzlage des Unternehmens sehe ich Foot Locker sogar in der Lage langfristig von der aktuellen Corona-Krise und einer länger anhaltenden Wirtschaftskrise zu profitieren, da einige finanzschwache Einzelhändler die Krise nicht überstehen werden und Foot Locker so in die Lage versetzt wird seine Marktposition auszubauen. Ich fühle mich mit einer Sicherheitsmarge (Differenz aus aktueller und ermittelter fairer Bewertung) von fast 50% jedenfalls sicher genug, um eine Position für das Wikifolio aufzubauen. 

 

Disclaimer

 

 

Personen, die mit dem Gedanken spielen in das hier vorgestellte Unternehmen zu investieren, sollten ihre eigene Recherche durchführen und ihrer Investmententscheidung ihre eigenen Annahmen zu Grunde legen. Dieser Artikel sollte in keiner Weise (so wie alle auf dieser Website vorgestellten Artikel) als Anlageempfehlung verstanden werden. 

 

*Quellen (in englischer Sprache):

https://www.supplychainbrain.com/articles/19630-foot-lockers-ceo-describes-what-omnichannel-is-really-all-about

https://risnews.com/foot-locker-explores-new-store-concept-and-e-com-platform-sales-slip

https://chainstoreage.com/technology/foot-locker-makes-biggest-investment-to-date

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